Kartografie der Wolken_07

Ein Bild geht auf Reisen

Die Bilder von Koki van Trotten reisen gern. Ein Bild besonders. Kartografie der Wolken_07. Immer wieder schmuggelt es sich ins Reisegepäck. Und damit es nicht vergißt, was es schon alles gesehen hat, beschloss dieses Bild zu Pfingsten 2017 fortan Selfies zu machen. 

 

Was soll es bedeuten?

 

Mitten im Grünen entdeckte Kartografie der Wolken_07 diesen gemauerten Gang, für den Gegenverkehr schon beim Ermauern nicht vorgesehen war. Niemand in Sicht, ob Schild, ob Mensch, der zur Erhellung beitragen konnte. 07 grübelte. Aber ihm fiel nichts ein, wozu das Bauwerk von Nutzen sein könnte. Es ist schön, dachte 07. Vielleicht wollte jemand einfach etwas Schönes in die Landschaft mauern. Weil er Maurer und kein Maler war. 

 

Spritztour

 

Seit 1926 jagte dieser Spritzwagen der Kopenhagener Feuerwehr durch die Hauptstadt Dänemarks. Die Glocke musste für freie Fahrt sorgen. Das Martinshorn wurde erst 1932 erfunden. Kartografie der Wolken_07 war ganz stolz, als es auf dem Glockenschlägerplatz mitfahren durfte.

 

Adele

 

"Man sagt, dass die Zeit alle Wunden heilen soll. Aber bei mir hat das nicht richtig funktioniert."

(aus: Hello)

 

Am stillen Freitag 

 

Der Sommer wollte nicht länger warten. In der prallen Sonne kletterte das Thermometer im Göppingen auf 34 ° Celsius. Kartografie der Wolken_07 kam ins Schwitzen und war dankbar für jedes schattige Plätzchen, das es fand.

 

Wie‘s aussieht – wird der Sommer sonnig

 

Kartografie der Wolken_07 kann sich für Bauernregeln begeistern. Ohne Panikmache der heutigen Meteorologie, verkündeten Bauernregeln in aller Ruhe ihre Langzeitprognosen. Zum Beispiel: Wie das Wetter zu Frühlingsanfang, ist es den ganzen Sommer lang. 07 suchte sich zum Frühlingsanfang ein schattiges Plätzchen unter einer chinesischen Tulpen Magnolie. Die schon ihre volle Blütenpracht zeigte. Im März und nicht erst im April, wie üblich. So intensiv strahlte die Sonne.

 

Ostern kommt dieses Jahr viel zu spät

 

Der Frühling hat sich längst nach vorn gedrängelt. Selbst Zäune und Mauern werden von ihm einfach überrannt. Kartografie der Wolken_07 aalte sich zum ersten Mal wieder in der Sonne.

 

Passenger

 

"Du brauchst das Licht nur, wenn es schwach leuchtet. Vermisst die Sonne nur, wenn es anfängt zu schneien."

(aus: LET HER GO)

 

Linkin Park

 

"Manchmal gibt es keine einfache Lösung. Manchmal ist Abschied der einzige Weg." 

(aus: Shadow of the Day)

 

In der blauen Stunde

 

Kartografie der Wolken_07 musste verschnaufen, obwohl die Nacht bereits ein paar Schritte entfernt zum Sprung ansetzte. Plötzlich bemerkte 07 den tiefblauen Himmel, dessen Helligkeit ihn an künstliches Licht erinnerte. Mit allen Sinnen nahm 07 dieses Blau wahr und erinnerte sich an ein Gedicht von Ingeborg Bachmann:

 

Der alte Mann sagte: mein Engel, wie du willst,

wenn du nur den offenen Abend stillst

und an meinem Arm eine Weile gehst,

den Wahlspruch verlorener Linden verstehst, 

die Lampen, gedunsen, betreten in Blau.

Letzte Gesichter! Nur deins glänzt genau.

Tot die Bücher, entspannt die Pole der Welt,

was die dunkle Flut noch zusammenhält,

die Spange in Deinem Haar scheidet aus.

Ohne Aufenthalt Windzug in meinem Haus.

Mondpfiff - dann auf freier Strecke der Sprung,

die Liebe geschleift von Erinnerung.

(aus „Die blaue Stunde"  von Ingeborg Bachmann / 1926-1973)

 

Der Zauber steckt immer im Detail…

 

Moderne Apotheken sind selten schön. Und schöne Apotheken sind selten modern. Die Ausnahme von der Beobachtungsregel heißt „Gaupp’sche Apotheke“. Kartografie der Wolken_07 entdeckte sie in Schorndorf.

 

Frühlingsanfang

 

24. Februar – Matthias-Tag. Im Mittelalter galt er als Frühlingsbeginn. 2019 könnte er seinen Ruf wieder festigen. Die Wetterregel für diesen Tag  lautet: „Matthias brichts Eis. Hat er keins, so macht er eins!“ Sollte die Regel auch heutzutage noch stimmen, müssten wir mit einem Kälteeinbruch rechnen. Für die Krokusse wäre es kein Problem. Ihre Blütenblätter haben vorsorglich wie jedes Jahr auch Frostschutzmittel  produziert. Da der Boden nicht mehr gefroren war und die Sonne schon seit Tagen schien, strampelten sich die Krokusblüten ans Licht. Kartografie der Wolken_07 freute sich über die Frühlingsvorboten und horchte am Stamm der alten Weide, ob sich in ihm auch schon wieder die Säfte regten.

 

Der Weingeist fleht den Himmel an

 

Der erste Schnee hatte sich drei Tage halten können. In der Stadt war er schnell zusammengefegt und auf dem Land wurde er von den Pflanzen gespült. Durch kalten Regen. Aber die Fröste in der Nacht ließen sich nicht vertreiben. So kam es, dass der Weingeist gerade damit beschäftigt war, den Himmel anzuflehen, als Kartografie der Wolken_07 ihn entdeckte. Er bat um Schnee. Als Schutz für die Rebstöcke vor den Nachtfrösten.  

 

Rückschauende Aussicht

 

Das Thermometer „kletterte“ auf -2° C.  Es war kalt, als Kartografie der Wolken_07 die Burgruine erreichte. Und 07 musste daran denken, dass Burgen nicht beheizbar waren. Selbst als die Burg noch ein Dach über dem Kopf zubieten hatte, war es in ihren Räumen eisig kalt. Tag und Nacht. Nur der Koch war zu beneiden. Hatte viele Freunde. Besonders im Winter. „Die Menschen müssen anders gewesen sein. Damals.“

 

Hundertwasser's Fenster-Tick

 

Den ersten Hundertwasser-Bau, den Kartografie der Wolken_07 für sich entdeckte, war der Bahnhof in Uelzen. Seitdem erkennt 07 ein Hundertwasser-Haus schon von weitem. Die knalligen, satten Farben schaffen den Wiedererkennungswert für die Bauten des Malers Friedensreich Hundertwasser. Die Formen der Häuser und insbesondere die größtmögliche Unterschiedlichkeit der einzelnen Fenster hat er sich bei  Antonio Gaudi abgeguckt, der bereits vor 130 Jahren so baute. In Barcelona.

 

Warten auf den ersten Schnee

 

In den Alpen türmt sich längst der Schnee zu Bergen. Kartografie der Wolken_07 hielt es nicht mehr in der warmen Stube. Es wollte raus und selbst sehen, wo er bleibt – der Schnee im flachen Land. Jedoch die Wolken hielten sich bedeckt und wollten keine Auskunft geben. Also träumte sich 07 die Landschaft weiß und ließ seine Kopfstimme ein paar Zeilen von Eduard Mörike aufsagen:

 

 „Einem Krystall gleicht meine Seele nun,

Den noch kein falscher Strahl des Lichts getroffen;

Zu fluthen scheint mein Geist, er scheint zu ruhn.

Dem Eindruck naher Wunderkräfte offen,

Die aus dem klaren Gürtel blauer Luft

Zuletzt ein Zauberwort vor meine Sinne ruft.“

(aus: „An einem Wintermorgen, vor Sonnenaufgang“)

 

Tatort-Besichtigung

 

Der Wetterbericht hatte für den 7. August 1962 Regen angekündigt. Fürs ganze Land. Noch vor Sonnenaufgang, kurz vor 4 Uhr, verließen die Kunsträuber die kleine Wallfahrtskirche „Maria im Weingarten“ in der Mainschleife. Fast die ganze Nacht brauchten sie, um die berühmte Madonna „Maria im Rosenkranz“ von Tilman Riemenschneider abzumontieren. Seit dem Bauernkrieg, die Madonna war kurz vorher vollendet worden, pilgerten Gläubige zu ihr. Jetzt war sie weg. Die Polizei ratlos. Um das Kunstwerk zu retten, bot Henri Nannen, der Herausgeber des Magazins „Stern“ den Dieben 100.000 DM und sicherte ihnen Verschwiegenheit zu. Die Diebe meldeten sich tatsächlich. Vier Monate später erfolgte die Übergabe nachts auf einem Feld. Und Nannen hielt sich an sein Ehrenwort, auch vor Gericht. Die Madonna musste aufwendig restauriert werden und hängt seit August 1963 wieder an ihrem angestammten Platz. 1967 wurden die Diebe doch noch verhaftet. Ein Ex-Häftling gab der Polizei den Tipp.

Kartografie der Wolken_07 hielt vorsichtig Abstand, weil die Madonna seit damals mit einer aufwendigen Alarmanlage gesichert ist.