Kartografie der Wolken_07

Ein Bild geht auf Reisen

Die Bilder von Koki van Trotten reisen gern. Ein Bild besonders. Kartografie der Wolken_07. Immer wieder schmuggelt es sich ins Reisegepäck. Und damit es nicht vergißt, was es schon alles gesehen hat, beschloss dieses Bild zu Pfingsten 2017 fortan Selfies zu machen. 

 

Selbstvergessenheit

 

Kartografie der Wolken_07 sucht die Gesellschaft von Bäumen. Alte Bäume haben es 07 besonders angetan. An ihren Stämmen fühlt es sich geborgen und glücklich. Auch das hat 07 von den Menschen gelernt: Der Mensch fühlt sich besonders glücklich, wenn er etwas so gern tut, dass er dabei vergisst, wer er ist. In diesen Zustand der Selbstvergessenheit gerät man aber nicht, wenn man darüber nachdenkt, wie man glücklich werden könnte.

 

Kein Blatt vorm Mund

 

Die Menschen gehen sich jetzt aus dem Weg. Viele haben sich etwas vor den Mund gehängt. Kartografie der Wolken_07 wollte auch ein Blatt vor den Mund nehmen. Aber es gab keine Blätter.

 

Murphys Gesetz

 

"Wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, eine Aufgabe zu erledigen, und eine davon in einer Katastrophe endet oder sonst wie unerwünschte Konsequenzen nach sich zieht, dann wird es jemand genauso machen." (Edward A. Murphy)

 

Frühlingstemperaturen lockten vor dem Kalendarischen Frühlinganfang. Kartografie der Wolken_07 ging allein an die frische Luft. 07 war allein allein. Alle anderen, denen es begegnete tummelten sich in Gruppen in der wärmenden Frühlingssonne.

 

Auf allen Viren

 

Kartografie der Wolken_07 wollte die Blüten der Trauerweide unbedingt aus der Nähe sehen. 07 hangelte sich an sie heran, über unzählige Viren hinweg. Viren sind keine Lebewesen, aber sehr nah am Leben dran. Sie brauchen lebende Zellen als Wirtsleute, um sich zu entfalten. 07 hatte also nichts zu befürchten und erfreute sich an den Blüten der Weide.

 

Märchenschloss im Winter

 

Vom Dichter Wilhelm Hauff kennt man die Märchen vom kleinen Muck, Zwerg Nase, das Kalte Herz und vielleicht seinen Roman Lichtenstein. Fünfzehn Jahre nach der Veröffentlichung des Romans begann man das Schloss Lichtenstein zu erbauen. Inspiriert durch den Roman. Dornröschen hat man hier verfilmt. Die Hecke, die das Schloss umwucherte, war natürlich ein Trick. Kartografie der Wolken_07 versuchte sich an der realen Hecke. Aber selbst bei der war kein Durchkommen möglich.

 

Schweben im Blau

 

Auch vor den Stürmen der Zeit bewahrt der Himmel sein Blau. Kartografie der Wolken_07 hatte Sehnsucht und kletterte dem abendlichen Blau entgegen, in den Wipfel eines kleineren Baumes. Blau wirke kühl und meditativ auf die Menschen - wird behauptet. Für 07 schafft Blau Klarheit und Frische und eine friedliche Atmosphäre, die es an Zuhause erinnert.

 

Fasnet

 

Als das Fasten noch keine Empfehlung gegen Übergewicht war und die Kirche die Fastenzeit vor Ostern noch beaufsichtigte war die "Fast-Nacht" ein reines Ess- und Trinkgelage zum Aufbrauchen der von der Abstinenz betroffenen Nahrungsmittel. Erst viel später kamen Musik, Tanz und theatralische Elemente hinzu. Bis hin zur Totalvermummung und Maskierung, die bis heute die Fasnet prägen. Kartografie der Wolken_07 schaute auf die hölzernen Masken und konnte nicht erkennen, ob das Maskentragen Freude oder Last bedeutete.

 

Es wird wärmer

 

Im letzten Jahr entdeckte Kartografie der Wolken_07 die ersten Krokusse am 24. Februar. Diesmal musste 07 nicht so lange warten. Schon einen Tag vor Lichtmess war der Blütenteppich ausgerollt. Unsere Vorfahren müssen das auch schon häufiger erlebt haben, sonst hätten sie uns nicht die Bauernregel überliefert: Lichtmess im Klee, Ostern im Schnee.

 

An die Bäume im Winter

 

Gute Bäume, die ihr die starr entblätterten Arme

Reckt zum Himmel und fleht wieder den Frühling herab!

Ach, ihr müsst noch harren, ihr armen Söhne der Erde,

Manche stürmische Nacht, manchen erstarrenden Tag!

(Johann Gottfried von Herder, 1744 -1803)

 

Weite suchen

 

Mit einem Zitat im Sinn, passend zur heutigen Zeit, machte sich Kartografie der Wolken_07 auf den Weg, die Weite zu suchen. "Blickt auf die Weite, die Festigkeit, die Raschheit des Himmels und hört einmal auf, Wertloses zu bewundern." Das Zitat ist über eintausendfünfhundert Jahre alt. Stammt von Anicius Manlius Severinus Boethius, einem römischen Gelehrten. 07 fand es beunruhigend, dass über Jahrhunderte hinweg dieser Rat nicht verinnerlicht wurde, von den Menschen.

 

Dem Fachwerk entwachsen

 

Wir sind auch vom Fach, grummelten die Stifte, an die sich Kartografie der Wolken_07 lehnte, um sich umzuschauen. Egal wohin es blickte, Fachwerkhäuser ohne Unterbrechung. Friedrich Schiller, Johannes Kepler, Gottlieb Daimler, Hermann Hesse und viele andere Größen im Geist wurden in Fachwerkhäusern geboren. Vielleicht hat die Enge der Stuben dieser Häuser den Blick geschärft für das Entfernte, dachte 07.

 

An die große Glocke hängen

 

Kartografie der Wolken_07 hat mit einigen Redewendungen noch seine Schwierigkeiten. Als es nach unzähligen Stufen der Stiftskirche in Herrenberg endlich in der Glockenstube angekommen war, wollte sich 07 partout an die große Glocke hängen. Das war gar nicht so einfach. Denn die Glocken aus zehn Jahrhunderten sind alle noch aktiv. So hatte 07 genau zehn Minuten für sein Selfie - bis das umfangreichste Kirchengeläut Deutschlands wieder ausschlug. 

 

Neujahr

 

„Am Neujahrstage Sonnenschein lässt das Jahr uns fruchtbar sein.“ (Bauernregel)

 

Die Sonne schien den ganzen Tag. Trotzdem gelang es ihr nicht, das Diesige zu vertreiben. Es war frisch. Die Natur verhielt sich still. Kartografie der Wolken_07 traf in drei Stunden fünf Menschen. Die bewegten sich und sprachen, wie es Menschen tun, wenn sie vor einem Neugeborenen stehen. Ganz behutsam. Mit strahlenden Augen. Freundlich nickend. 07 ging so vor sich hin und dachte: Es wäre schön, wenn sich die Menschen dieses Gefühl für das neue Jahr bewahren könnten.