Kartografie der Wolken_07

Ein Bild geht auf Reisen

Die Bilder von Koki van Trotten reisen gern. Ein Bild besonders. Kartografie der Wolken_07. Immer wieder schmuggelt es sich ins Reisegepäck. Und damit es nicht vergisst, was es schon alles gesehen hat, beschloss dieses Bild zu Pfingsten 2017 fortan Selfies zu machen. Die Gedanken zu den Selfies hat Erik Bend notiert. 

 

Antibiotikum

 

Zur Zeit sollen einige Medikamente in Apotheken nicht zu bekommen sein. Nie zu bekommen ist ein besonderes Antibiotikum, dessen Mixtur Wissenschaftler 2015 in einem Traktat eines Wundarztes aus dem neunten Jahrhundert entdeckten. Leider ohne genaue Mengenangaben für die einzelnen Bestandteile. Nach endlosen Testreihen das Ergebnis: im richtigen Mischungsverhältnis entsteht, wie in dem Rezept angegeben, nach neun Tagen aus dem Sud von Zwiebeln, Knoblauch, Wein und Ochsengalle ein Antibiotikum. Weitere Tests belegen, dass diese Mixtur sogar den gegen Antibiotika resistent gewordenen Krankenhausvirus zu 99,9 Prozent besiegt. Pharmakonzerne waren bisher noch nicht interessiert. Vielleicht sollten Apotheker an ihre alten Berufstraditionen anknüpfen.

 

EisSee

 

Biologen sind sich sicher, Fische frieren nicht. Trotzdem mögen sie es  kuschelig. Wenn ihr See vereist, versammeln sie sich an der tiefsten Stelle. Dort ist die Wassertemperatur konstant vier Grad plus. Egal wie kalt es auch "draußen" sein mag.

 

Ende einer Ära

 

Am letzten Januartag werden bundesweit die öffentlichen Telefonzellen, denen vielfach die Zelle abhandengekommen war, endgültig abgeschaltet. 142 Jahre nach feierlicher Einweihung in Berlin des ersten Fernsprechkiosks, wie sie anfangs genannt wurden. Ihre Glanzzeit erlebte die Telefonzelle Mitte der 90er Jahre als über 160.000 von ihnen nicht nur in Einkaufsstraßen, Bahnhöfen, Wohnvierteln, sondern selbst an Waldrändern zu finden waren. Den jetzt noch verbliebenen knapp 12.000 wurde die Daseinsberechtigung schleichend entzogen. Im letzten Jahr wurde bereits die Münzzahlung deaktiviert. Und wer hat schon eine Telefoncard zur Hand wenn das Handy kein Netz hat. Der erste Briefkasten wurde vor 390 Jahren in Liegnitz aufgestellt. So lange Ämter, Behörden und Banken nicht auf ihr Geschreibsel verzichten, haben Briefkästen wohl nichts zu befürchten. Man muss ja darauf schriftlich antworten.

 

Föderalismus

 

Der Begriff "Föderalismus" ist wohlklingender als Flickenteppichstaat, steht letztlich aber für das gleiche Phänomen. Nur drei Bespiele: Schulpflicht besteht im ganzen Land, was gelehrt  wird entscheiden aber 16 Schulgesetze in den Bundesländern. Im Ergebnis ist dann an Universitäten ein Abitur aus Sachsen (Platz 1) mehr wert als eins aus Bremen (Platz 16). Es gibt zwar eine Bundespolizei. aber die herkömmliche Polizeiarbeit wird von 16 Landespolizeien geleistet, die wiederum die Vorschriften von 16 unterschiedlichen Polizeigesetzen beachten müssen. Im Zweifel für den Verfolgten. Oder nehmen wir den Infektionsschutz, auch Ländersache. Führt dazu, dass eine Reise mit den Zug von Stuttgart nach Berlin aktuell so verläuft: mit Maske durch Baden Württemberg, ohne durch Bayern, mit durch Thüringen, ohne durch Sachsen und  Sachsen-Anhalt, mit durch Brandenburg und Berlin. Die Ansagen im selben Zug wechseln zwischen "In Zügen gilt weiterhin die gesetzliche Maskenpflicht." und "Schützen Sie sich und andere. Wir empfehlen das Tragen einer PCR-Maske."  Das alte deutsche Sprichwort: "Viele Köche verderben den Brei.", verdient es, endlich ernst genommen zu werden.

 

Guggenmusik

 

Die Schweiz war schon immer besonders. In Basel feiert man die Fasnacht laut und schräg, mit schiefen Tönen, also mit Guggenmusik. Die Ursprünge sind im 16. Jahrhundert zu finden. Die schrägen Töne und gräulichen Kostüme sollten die bösen Geister verschrecken. Erstmals formierte sich 1874 in Basel eine ganze Kapelle im Karnevalsumzug. Die Proteste dagegen waren genauso laut. Zehn Jahre später wurde es polizeilich erlaubt. Der Begriff "Guggenmusik" wurde für diese Besonderheit 1906 erstmals in der Baseler Fasnacht verwendet. Verbreitet hat sich dieser Stadtbrauch in der Schweiz erst nach dem zweiten Weltkrieg. Heutzutage findet man Guggenkapellen auch in Italien, Österreich und Süddeutschland.

 

Eulersche Zahl

 

Die Eulersche Zahl ist eine Konstante, die in der gesamten Analysis und deren Teilgebieten in der Mathematik, besonders in der Differential- und Integralrechnung, auch in der Stochastik eine zentrale Rolle spielt. Konstant ist sie mit über zwölf Billionen Stellen hinter dem Komma, die 2020 errechnet wurden. Aber eigentlich ist sie unendlich. Benannt wurde sie nach dem Schweizer Mathematiker Leonhard Euler. In Ländern, die beim Datum den Tag vor dem Monat nennen (Europa) wird der 27. Januar (27.1) als Tag der Eulerschen Zahl begangen. In Ländern, die den Tag nach dem Monat schreiben (Amerika) ist der 7. Februar (2.7) der Tag der Eulerschen Zahl. Wo immer Sie leben, Sie werden bestimmt daran denken.

 

Schnee von gestern

 

Als "Schnee von gestern" werden gern Meldungen der Medien bezeichnet. Ihr Verfallsdatum muss nicht angegeben werden. Zwei Beispiele gefällig? Greta Thunberg in Lützerath verhaftet. Muss schnell gegangen sein. Beim Wirtschaftsgipfel in Davos sprach sie bereits einen Tag später. Der Winter erfasst ganz Deutschland, Schnee auch im Flachland. Gestern war es kurzzeitig weiß. Wie gesagt - gestern. 

 

Alte Schmiede

 

Fünfzig Jahre lang wurden in der alten Huf- und Wagenschmiede Schwaikheim Pferde, Ochsen und Kühe beschlagen und eiserne Wagenreifen auf Holzräder aufgezogen. Auch Werkzeuge wie Feldhauen, Spaten, Schaufeln und Sensen wurden bearbeitet. Selbst Nägel wurden geschmiedet. Bis 1984. Acht Jahre später hat der Heimatverein des Ortes die Schmiede nach alten Zeichnungen wieder instand gesetzt und funktionsfähig gemacht. Seit dreißig Jahren wird einmal im Monat geschmiedet, damit das alte Handwerk nicht in Vergessenheit gerät. Kinder dürfen sich unter Anleitung versuchen und von den Besuchern mitgebrachte Werkzeuge werden von der Schmiedegruppe des Heimatvereins gerichtet.

 

Museums Selfie Tag

 

Am dritten Mittwoch im Januar wird wieder eine Welle von Selfies aus Museen im Netz zu finden sein. Der internationale "Museum Selfie Day" wurde vor neun Jahren von der Londoner Bloggerin Mar Dixon initiiert und Ihre Idee hat sich durchgesetzt, obwohl das Projekt nie beworben wurde. 07 war im Haus der Geschichte Baden Württembergs. 

 

You'll Never Walk Alone?

 

Man findet sie in Seitenstraßen, möglichst außer Sichtweite der Boulevards - die Tafeln. Sie würden noch weniger auffallen, wenn sich die Menschen nicht schon Stunden vor den Öffnungszeiten anstellen würden, weil sie nicht wissen, was es heute geben wird und für wie viele es reicht. In Deutschland gibt es inzwischen in größeren Städten über 940 Tafeln. Die helfen 1,5 Millionen Menschen. Manche Großstädte haben gleich mehrere Tafeln. Aber Deutschland hat 10.789 Städte und Gemeinden. Wer kümmert sich in diesen zehntausend Orten um die ärmsten der Armen?

 

Wintergäste

 

Graugänse sind vor allem in Skandinavien und Nordengland zu Hause. Früher flüchteten sie vor der Kälte im Winter bis nach Nordafrika und der Süden Deutschlands wurde höchstens zur Zwischenlandung genutzt Aber auch Graugänse spüren den Klimawandel und verzichten zunehmend auf Langstreckenflüge. Sie sind auf dem besten Wege zu Standvögeln zu mutieren. Dann dürfte in absehbarer Zeit auch der Besuch bei uns entfallen.

 

Narrensprung

 

Nach der Maskenpflicht wird jetzt wieder freiwillig zu den Masken gegriffen. Die Saison der schwäbisch-alemannischen Fasnet wurde mit den Narrensprung-Umzügen eröffnet. Im Hüpfschritt, daher die Bezeichnung Narrensprung, zogen die Narren in ihrer Häs, so werden die Kostüme genannt, nach zweijähriger Abstinenz wieder durch die Städte, um anschließend in den Wirthäusern das Ende der Abstinenz beim Narrentreiben ausgiebig zu begießen.

 

Katholisch, aber anders

 

Eine überfüllte Kirche in Deutschland. Am ersten Wochenende des neuen Jahres, mittags um zwölf Uhr. Die 1.200 Plätze der größten Kirche Stuttgarts reichen nicht aus. Ein Klingelton, wie von einer Schulglocke, ist das Zeichen für Kinder, Jugendliche, Frauen, Männer und alte Menschen, sich zu erheben. Dann geht Franziskaner-Pater Blaz Toplak zum Altar und feiert mit den Anwesenden einen katholischen Gottesdienst in kroatischer Sprache. Später geht er durch die Reihen und weiht das von vielen in Flaschen mitgebrachte Wasser. In Stuttgart leben 29.600 Kroaten, knapp 430.000 in Deutschland. Am ersten Januar wurde Kroatien in den europäischen Schengen-Raum aufgenommen.

 

Dreikönigstreffen

 

Im Stuttgarter Opernhaus findet das Dreikönigstreffen liberaler Politiker seit dem 6 Januar 1866 statt. Gegründet als "Demokratische Volkspartei", später "Deutsche Demokratische Partei", dann "Deutsche Staatspartei", die 1933 aufgelöst wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg als "Partei Freier Demokraten" in Hamburg und "Demokratische Volkspartei" in Rothenburg ob der Tauber im Westen, sowie als "Liberal Demokratische Partei Deutschlands" im Osten schließlich wiedergegründet. Die beiden Parteien im Westen des Landes vereinigten sich Ende 1948 zur heute bekannten "Freien Demokratischen Partei", die sich selbst aber nur "Freie Demokraten" nennen. In all den Jahren ist es den Liberalen nur einmal gelungen eine Wahl zu gewinnen. Im Osten. Von Dezember 1946 bis Oktober 1949 war Erhard Hübener (LDPD) Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt.

 

Schillers Studienzeit

 

Es ist genau 250 Jahre her. Am 16. Januar begann Friedrich Schiller Rechtswissenschaften zu studieren. Zwei Monate nach seinem 13. Geburtstag. Er wollte eigentlich Priester werden, musste auf Geheiß von Herzog Karl Eugen aber Jura studieren, wechselte im Alter von 14 Jahren zur Medizin und promovierte mit 20. Seine Woche hatte 47 Unterrichtsstunden und in den Nächten schrieb er sein erstes Theaterstück - "Die Räuber". Würde Schiller heute leben würde er wahrscheinlich mit 20 sein Studium beginnen.

 

Perspektivwechsel

 

Ein paar Schritte gegen den Wind und die Perspektive ändert sich. Vieles sieht anders aus von oben. Manches ist kaum wiederzuerkennen. Anderes verliert an Bedeutung. Damit die Gleitschirmflieger die Bodenhaftung nicht verlieren und womöglich gar unkontrolliert abheben, dürfen sie in Deutschland nur auf zugelassenen Startplätzen anlaufen um dann zugelassene Landeplätze anzusegeln. Nur die Zeit zwischen Start und Landung gehört ihnen ganz allein.

 

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