Kartografie der Wolken_07

Ein Bild geht auf Reisen

Die Bilder von Koki van Trotten reisen gern. Ein Bild besonders. Kartografie der Wolken_07. Immer wieder schmuggelt es sich ins Reisegepäck. Und damit es nicht vergißt, was es schon alles gesehen hat, beschloss dieses Bild zu Pfingsten 2017 fortan Selfies zu machen. 

 

Der Weingeist fleht den Himmel an

 

Der erste Schnee hatte sich drei Tage halten können. In der Stadt war er schnell zusammengefegt und auf dem Land wurde er von den Pflanzen gespült. Durch kalten Regen. Aber die Fröste in der Nacht ließen sich nicht vertreiben. So kam es, dass der Weingeist gerade damit beschäftigt war, den Himmel anzuflehen, als Kartografie der Wolken_07 ihn entdeckte. Er bat um Schnee. Als Schutz für die Rebstöcke vor den Nachtfrösten.  

 

Rückschauende Aussicht

 

Das Thermometer „kletterte“ auf -2° C.  Es war kalt, als Kartografie der Wolken_07 die Burgruine erreichte. Und 07 musste daran denken, dass Burgen nicht beheizbar waren. Selbst als die Burg noch ein Dach über dem Kopf zubieten hatte, war es in ihren Räumen eisig kalt. Tag und Nacht. Nur der Koch war zu beneiden. Hatte viele Freunde. Besonders im Winter. „Die Menschen müssen anders gewesen sein. Damals.“

 

Hundertwasser's Fenster-Tick

 

Den ersten Hundertwasser-Bau, den Kartografie der Wolken_07 für sich entdeckte, war der Bahnhof in Uelzen. Seitdem erkennt 07 ein Hundertwasser-Haus schon von weitem. Die knalligen, satten Farben schaffen den Wiedererkennungswert für die Bauten des Malers Friedensreich Hundertwasser. Die Formen der Häuser und insbesondere die größtmögliche Unterschiedlichkeit der einzelnen Fenster hat er sich bei  Antonio Gaudi abgeguckt, der bereits vor 130 Jahren so baute. In Barcelona.

 

Warten auf den ersten Schnee

 

In den Alpen türmt sich längst der Schnee zu Bergen. Kartografie der Wolken_07 hielt es nicht mehr in der warmen Stube. Es wollte raus und selbst sehen, wo er bleibt – der Schnee im flachen Land. Jedoch die Wolken hielten sich bedeckt und wollten keine Auskunft geben. Also träumte sich 07 die Landschaft weiß und ließ seine Kopfstimme ein paar Zeilen von Eduard Mörike aufsagen:

 

 „Einem Krystall gleicht meine Seele nun,

Den noch kein falscher Strahl des Lichts getroffen;

Zu fluthen scheint mein Geist, er scheint zu ruhn.

Dem Eindruck naher Wunderkräfte offen,

Die aus dem klaren Gürtel blauer Luft

Zuletzt ein Zauberwort vor meine Sinne ruft.“

(aus: „An einem Wintermorgen, vor Sonnenaufgang“)

 

Tatort-Besichtigung

 

Der Wetterbericht hatte für den 7. August 1962 Regen angekündigt. Fürs ganze Land. Noch vor Sonnenaufgang, kurz vor 4 Uhr, verließen die Kunsträuber die kleine Wallfahrtskirche „Maria im Weingarten“ in der Mainschleife. Fast die ganze Nacht brauchten sie, um die berühmte Madonna „Maria im Rosenkranz“ von Tilman Riemenschneider abzumontieren. Seit dem Bauernkrieg, die Madonna war kurz vorher vollendet worden, pilgerten Gläubige zu ihr. Jetzt war sie weg. Die Polizei ratlos. Um das Kunstwerk zu retten, bot Henri Nannen, der Herausgeber des Magazins „Stern“ den Dieben 100.000 DM und sicherte ihnen Verschwiegenheit zu. Die Diebe meldeten sich tatsächlich. Vier Monate später erfolgte die Übergabe nachts auf einem Feld. Und Nannen hielt sich an sein Ehrenwort, auch vor Gericht. Die Madonna musste aufwendig restauriert werden und hängt seit August 1963 wieder an ihrem angestammten Platz. 1967 wurden die Diebe doch noch verhaftet. Ein Ex-Häftling gab der Polizei den Tipp.

Kartografie der Wolken_07 hielt vorsichtig Abstand, weil die Madonna seit damals mit einer aufwendigen Alarmanlage gesichert ist.